Gedanken am Anfang

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Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apg 5,29

Selten ist eine Aussage so klar wie diese aus der Apostelgeschichte. Gott mehr als Menschen gehorchen, das ist zutiefst in die DNA des Glaubens eingelassen. Eigentlich müsste man gar nicht weiter darüber nachdenken. Die Regeln sind klar, die Gebote gegeben. Wenn es doch immer nur so einfach wäre?!

Apropos einfach. Die Situation ist ja schon etwas vertrackt.

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Kol 4,6

Eine Kunst ist das, die Paulus hier beschreibt, zugleich freundlich und doch bestimmt sein, zugleich dem Gesprächspartner zugewandt und dennoch ganz bei sich selbst seiend, zugleich hörend und aufnehmend und doch schon eine Antwort formulierend. Wer mag, kann dafür ein kleines Vermögen ausgeben, um in speziellen Kommunikationstrainings solche Fertigkeiten zu erwerben. Ob man diese danach wirklich beherrscht, sei mal dahingestellt. Eine allezeit freundliche und dennoch nicht beliebige Rede – wer wünscht sich nicht, genau so mit Menschen aller Couleur umgehen zu können?

Wer nun hofft, einen kostenlosen Crashkurs in perfekter Umgangsrhetorik von Paulus zu erhalten, den muss ich doch enttäuschen. Denn dieser kleine Satz ist eingebettet in einen anderen Zusammenhang: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, auf dass … wir vom Geheimnis Christi reden können … Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Die Empfehlung des Apostels, allezeit freundlich – oder wie die Luther-Übersetzung 2017 so schön formuliert: wohlklingend – mit Menschen zu sprechen, und dabei auf das Quäntchen Würze – sprich: Scharfsinn, Formulierungskunst oder auch auf den, zumindest kleinen, Schalk im Nacken – nicht zu verzichten, ist eingebettet in eine geistliche Grundhaltung: Beten und Wachen.

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.

3. Mose 19,32

Mitten heraus aus einem ganzen Gesetzestext genommen, steht dieser Vers als Monatsspruch im Losungsbuch. Der Gesetzestext beschäftigt sich mit den Grundfragen alltäglichen Lebens und hatte die Aufgabe, das Zusammenleben des jüdischen Volkes zu regeln. Präambel dieses Gesetzes und zugleich Überschrift ist die Einleitung des Kapitels: „Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“

Eine Lebensführung und Alltagsgestaltung, die der Erwählung durch den ewigen Gott entspricht, ist dabei das Ziel. Die Integration des Glaubens in das private, berufliche, familiäre und gesellschaftliche Leben als ebenso wichtig erachten wie in das persönlich religiöse. Keine weitgeöffnete Schere haben zwischen Sabbat und Wochentag.

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten, er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Lukas 24,5-6

Was Lukas hier in spröden Worten knapp beschreibt, ist die Weltrevolution schlechthin: Die Auferstehung Jesu von den Toten. Die Überwindung des Todes durch den Messias Gottes. Heil und Rettung für jeden Menschen! All das mit unübersehbaren Folgen für die Menschheit, die Weltgeschichte, die Schöpfung mit all ihren Facetten. Das völlig Unvorstellbare wird wahr, der Weg zwischen Gott und seinen Menschen ist wieder frei! Beziehung zu Gott wieder möglich! Vergebung der Schuld nicht länger an Riten und Stellvertretungen gebunden, sondern im 1:1-Gegenüber mit Jesus Christus erlebbar. In all dieser Euphorie – und es gibt wirklich allen Grund dazu, immer wieder neu und ja, auch jedes Jahr zu Ostern auf Neue! – überliest man leicht einen kleinen Satz: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten, er ist nicht hier, er ist auferstanden. Ja, unser Herr ist auferstanden, er ist wirklich auferstanden. Amen! Deswegen bringt es nichts, den Auferstandenen, den Lebenden bei den Toten zu suchen. Soweit So klar, aber nun: er ist nicht hier!

Wie gesagt leicht zu überlesen. Zu schnell gedeutet und übergangen: er ist nicht hier. Im schnellen Lesefluss der Ostergeschichte meint man, dass der Bote nichts Anderes meinen könnte, als dass Jesus, der Auferstandene eben nicht mehr in der Grabeskammer sei. Schnell versteht man den Satz so, dass Jesus eben nicht in der Gruft darauf wartete, als Lebender entdeckt zu werden. Aber meint dies der Bote Gottes wirklich?