Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.

Sprüche 16,24

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Ganz sicher bin ich mir nicht, was Honigseim ist. Im Duden steht: „veraltet für ungeläuterten Honig, wie er aus den Waben abfließt“. Alles klar? Nein, mir noch nicht. Also weiter zu Wikipedia und da lerne ich: Blütennektar und Honigtau sind die Grundstoffe für den späteren Honig, der aus dem Seim gewonnen wird. Aha. Honigseim ist also das frische Produkt der Bienen, das Beste, was Natur und Bienen aufbieten.

So sollen unsere Reden sein. Im ersten Moment bin ich etwas irritiert. Sollen wir anderen also den sprichwörtlichen „Honig ums Maul schmieren“? Nein, sicher nicht. Wir sollen ja gar nichts. Dieser Spruch aus der weisheitlichen Literatur des Volkes Israel ist keine Handlungsanweisung, beinhaltet keinen Imperativ. Dieser Satz beschreibt etwas, nämlich die Folgen von etwas Gesagtem.

Welche Wirkungen unsere Worte haben können, wissen wir alle nur zu gut. Und mehrere biblische Verfasser setzen sich mit den gesprochenen Worten und ihren Wirkungen auseinander. Die Zunge als Sinnbild schneller Worte und auch unbedachter Wirkungen ist ebenso sprichwörtlich geworden. „Hüte deine Zunge!“, rufen wir jemanden zu, der allzu leichtfertig und unbedacht seine Worte in den Raum und anderen an den Kopf wirft. Der Apostel Jakobus wird in einem neutestamentlichen Schreiben ein ganzes Kapitel der Zunge widmen und den Wirkungen, die sie als Sprachorgan hervorrufen kann.

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.

2. Samuel 7,22

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Ich gebe zu, so richtig wusste ich nicht, was im 7. Kapitel des 2. Samuelbuches steht. Beim Aufschlagen der Bibel aber und dem Lesen der Überschrift war klar: den Text kenne ich. Eine rührende kleine Geschichte von König David, der Gott gern ein Haus bauen möchte, weil er als König doch so prachtvoll lebt, während „die Lade Gottes unter Decken haust“. Nathan, das für Davids Anliegen zuständige Sprachrohr Gottes – so ein Privatprofet hat schon was –, erläutert dem zielstrebig aufsteigenden und äußerst machtambitionierten König den Plan Gottes: Nicht er, David, solle den Tempel bauen, sondern dem ihn auf den Thron folgenden Sohn, sichtbarer Ausdruck der gegründeten Dynastie, würde diese Aufgabe zufallen. Dass dieser Sohn Frucht eines - aufgrund eines Ehebruchs begangenen - Mordes sein würde, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Überhaupt scheint Davids Welt noch in Ordnung. Die die Großfamilie Davids einholenden selbstverantworteten katastrophalen Ereignisse, die sich wie ein moderner Thriller lesen und alle Spielarten von Intrigen beinhalten und selbst vor inzestuöser Vergewaltigung und Mord nicht zurückschrecken, scheinen zu diesem Zeitpunkt undenkbar. David trägt die Absage seiner Baupläne mit Fassung. Vielleicht war er sogar erleichtert, dass diese unendlich große Aufgabe mit all ihren Herausforderungen ihm erspart blieb. Mit all den vielen hinter und noch vor ihm liegenden Kriegen hatte er ja auch wahrlich genug um die Ohren.

Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.
Ich bin bei euch alle Tage, fürchtet euch nicht.

nach Matthäus 28,20

joomplu:844Mit den Füßen zum Takt wippend, summe ich die uns von Darius Rossol geschenkte Melodie, kaum eine Vertonung eines Bibelwortes ist mir so nahe. Und mit dem Lied ist mir dieses Wort – früher salopp mit „Matthäi am Letzten“ als Gruß benutzt, lang bevor „Grüß Gott“ zur belanglosen Formel und „Matthäi am Letzen“ zur Drohgebärde wurden – wieder ganz neu wertvoll.

Und auch wenn das Fürchtet euch nicht bei „Matthäi am Letzten“ gar nicht vorkommt, inhaltlich und als Grußbotschaft des Auferstandenen und uns Sendenden ist es voll gerechtfertigt. Und Hand aufs Herz, zum Fürchten ist doch Vieles, oder? Also ich fürchte mich gerade vor Vielem. So unüberschaubar scheint manches, so groß die Herausforderungen der nächsten Zukunft, so manchmal Bange machend auch manche noch fehlende Perspektive. Klar kann man mir vorhalten: selbst schuld. Aber wenn man ein bisschen hinter die Vorhänge des Offensichtlichen schaut, merkt man schnell, so einfach – wie meist im Leben – ist es dann doch nicht. Und mit der Schuldfrage kommt man meist auch nicht weiter. Und es muss ja auch nicht gleich das Ende der Welt sein, manchmal reicht ja auch das Ende des derzeitigen Bundeslandes. Für wen diese Zeilen alles Rätsel sind: Mein Dienstwechsel nach München rückt näher und so zu tun, als sei dieser in weiter Ferne, gelingt mir nicht.

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

joomplu:916Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.