Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Geht aber und predigt und sprecht: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“.

Matthäus 10,7

joomplu:844Ein bisschen schmunzeln musste ich schon beim Lesen des Monatsspruches für August. Ausgerechnet für unseren Umzugsmonat meinten die für das Auswählen von Monatssprüchen Verantwortlichen also, dass ein „Geht aber“ nun doch ganz passend wäre. Nun schreibe ich diese Zeilen vor unserer Verabschiedung am 21. 7. und muss zugeben, dass mir da mit Blick auf diese das Schmunzeln eher schwindet. Und dass ich durchaus auch eine große Portion Wehmut spüre. Bei aller Freude auf den Neuanfang und die Wege, die zu beschreiten sein werden – der Abschied tut auch weh!

Ob diese kleine „aber“ Im Satz der Aussendung der Jünger auch solch einen Wehmutsmoment beinhaltet? „Geht aber!“ Im Aber steckt ja immer auch das dennoch mit drin. Geht aber. Auch wenn`s mal weh tut, auch wenn´s mal ungewiss wird, auch wenn Wege sich trennen und auch wenn liebgewordene und persönliche Beziehungen betroffen sein werden. Geht aber. So habe ich den Sendungsbefehl an die Zwölf auch noch nicht gelesen.

Sicher ist dieses „Geht aber“ nun aber kein Wort nur an mich. Sondern vielleicht sogar vielmehr an euch, die ihr bleibt? Wäre es illegitim zu kontexten: ‚Geht aber auch ihr, die ihr im Lande, in der Stadt bleibt und predigt auch ihr und verkündet auch ihr das nahe herbeigekommene Himmelreich?‘ Sicher nicht. Denn genau das meint es doch: Jesus möchte uns herausrufen aus dem, was uns oft bindet und festhält. Liest man die Sendungsworte weiter, ist man ganz schnell auch auf unsicherem Terrain: „Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Tasche für den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.“ Dieses „Geht aber“ Jesu an uns ist doch recht radikal und existentiell. So leben wir nicht. Ich jedenfalls nicht. So arbeiten wir nicht. Ich jedenfalls nicht. Bar aller Sicherheiten und ganz angewiesen auf das, was einem widerfahren wird im Guten wie in Schlechten? „Fürchtet euch nicht“ spricht Jesus deshalb am Ende dieses Sendungsbefehles den Zwölf zu, konkret: „Fürchtet euch nicht vor Menschen.“ Ja, manchmal kann einem Bange werden angesichts dessen, was Menschen mit Worten, Taten, Haltungen auch anderen Menschen an Schaden zufügen können. Die Sendung Jesu lebt davon, dass wir uns nicht vor diesen fürchten, sondern um die Menschen wissen, die uns an- und aufnehmen, die uns vergeben und verzeihen, die uns ermutigen und trösten, die uns stärken und für uns beten. Kurz: Die Sendung Jesu lebt von Gemeinde! Und das wünsche ich uns allen: Dass wir immer wieder Menschen in der Gemeinde bleiben, die einander im Blick behalten und füreinander einstehen. Denn dann wird es möglich auch zu gehen, loszugehen.

Denkt daran, liebe Brüder und Schwestern: Jeder soll stets bereit sein zu hören, aber sich Zeit lassen, bevor er redet, und noch mehr, bevor er zornig wird.

Jakobus 1,19

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Es gibt Bibelworte, da weiß ich gar nicht, was ich noch ergänzend oder erläuternd schreiben könnte. Der Monatsspruch für Juli ist solch einer: Jeder soll stets bereit sein zu hören, aber sich Zeit lassen, bevor er redet, und noch mehr, bevor er zornig wird. Ein schöner, klar formulierter Dreischritt. Alles Selbstverständlichkeiten. Alles deutlich und verständlich. Jedoch ist es praktisch nicht immer so klar.

Wie so oft steckt bei näherem Betrachten die Tücke im Detail. Das fängt schon mit der Bereitschaft an, zuzuhören. Normalerweise lebt ein Gespräch ja vom wechselseitigen Hören und Reden. Redet nur eine beteiligte Person und eine andere muss nur hören, stockt das Gespräch bald. Sagen beide nichts, kommt gar kein Gespräch zustande. Reden beide zugleich – nun ja, dies ein Gespräch zu nennen, wäre übertrieben. Hören und Reden – und dies in dieser Reihenfolge – empfiehlt der Apostel den Menschen seiner Gemeinde, damit diese gut miteinander ins Gespräch kommen können.

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!

Johannes 19,30

joomplu:916Nur der Evangelist Johannes berichtet uns diese letzten Worte Jesu am Kreuz. Nur Johannes berichtet uns, wie Jesus kurz zuvor – schon als Gekreuzigter im Todeskampf – Sorge für seine Mutter trug und sie dem Jünger, „den Jesus liebhatte“, als Mutter anbefahl. Kurz lesen wir, dass Jesus dürstete und er mittels Schwamm seine Lippen mit Essig benetzt bekam. Als Jesus davon genommen hatte, sagte er: „Es ist vollbracht!“ Dann neigte er den Kopf und starb.

Nüchtern, beinahe emotionslos, schildert uns Johannes das Sterben Jesu. Er zeigt uns dabei einen Jesus, der auch in dem schlimmen Todeskampf noch die Kraft aufbrachte, für andere Menschen zu sorgen. Was für ein Mensch! Die anderen Evangelisten berichten davon, dass die unterm Kreuz Befindlichen mit diesem Staunen in der Stimme bekennen mussten: „Wahrhaftig, er ist doch Gottes Sohn gewesen!“.