Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

Warum eigentlich ausgerechnet Freude vor den Engeln Gottes? Ich lese diesen Vers, der Monatsspruch für Oktober ist, mit Verwunderung. Ein Mensch tut Buße, und Freude ist bei den Engeln Gottes. Wieso? Warum ist es Jesus so wichtig, das zu betonen? Oder ist das der einzige Ort der Freude, weil wir Menschen uns schon gar nicht mehr freuen können darüber, dass ein Mensch Buße tut? Vielleicht, weil wir es so selten miterleben? Weil Menschen heutzutage gar nicht mehr umkehren?

Ich bin in einem gemeindlichen Umfeld aufgewachsen, in dem eine „richtige“ Bekehrung Bedingung und Anfang für das Glaubensleben war. „Bist du bekehrt?“ und „Wann hast du dich bekehrt?“ waren biografische Schlüsselfragen. Die Kehrseite dieser Betonung war, dass viele meiner Altersgenossen ebenso wie ich genau das Datum ihrer Bekehrung kannten, bei so manchen aber diese doch nur Produkt des Druckes war. Zu Recht finde ich, wurde immer mehr solcher Druck aus der persönlichen Entscheidungsfindung herausgenommen. Die Kehrseite: wir erleben kaum noch mit, wenn Menschen sich für Jesus entscheiden. Glaube wird mehr und mehr zur Privatsache, und manchmal auch beliebig. Und ich frage mich, ob wir nicht in der Gefahr stehen, auf der anderen Seite vom sprichwörtlichen Pferd zu fallen?

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

Lukas 13,30

Früher, im Sportunterricht, habe ich mich immer mit diesem Vers getröstet: Zeitlaufen, höher, weiter schneller – einer musste ja der Letzte sein. Selten wurde ich ab und an auch mal Vorletzter, aber Erster? Nie. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich zu jenem Exemplar Mensch gehöre, deren Sportgene offensichtlich ganz und gar keine Ausbildung erfuhren. Dafür hab ich halt andere Gene. Klar weiß ich auch, dass diese Worte Jesu anders zu verstehen sind, schmunzeln muss ich doch, wenn ich sie lese und dabei an meine damals kindlichen Erwartungen denke.

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.

Philipper 1,9-11

Ich schreibe diese Zeilen Anfang Juni. Die USA haben soeben das Klimaabkommen verlassen, der VfB ist in die erste Liga aufgestiegen und nun Aktiengesellschaft, die Hälfte aller S21-Tunnelkilometer ist gebohrt und dennoch rechnen überzeugte Gegner weiterhin ganz fest mit dem Ausstieg aus dem Projekt – ach ja, und von „BER“ startet noch immer kein Flugzeug. Wer vor einem Jahr gedacht hatte, dass endlich mit der Auflösung der Großbaustelle A8 Richtung Karlsruhe die Stauzeit auf selbiger vorbei sei, auch der sieht sich bitter getäuscht. Was haben wir nicht alles an Erkenntnissen und Erfahrungen gewonnen? Was allein in diesem Monat, im ersten Halbjahr des Jahres 2017 – kaum zu glauben, aber in einem halben Jahr sind Weihnachten und Silvester schon wieder vorbei! - und überhaupt?! Erkenntnisse und Erfahrungen sind so zahlreich, so unglaublich vielfältig und zugleich oft oberflächlich, dass es wohl keinen gibt, der alle Erkenntnisse und Erfahrungen vor Augen haben könnte.

Wir benötigen deshalb eine Konzentration auf Wesentliches. Paulus schreibt solche Konzentration auf das Wesentliche seinen Philippern ins Grußwort. Erkenntnis, ja. Erfahrung, ja. Aber welche und wozu?