Gedanken am Anfang

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Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten, er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Lukas 24,5-6

Was Lukas hier in spröden Worten knapp beschreibt, ist die Weltrevolution schlechthin: Die Auferstehung Jesu von den Toten. Die Überwindung des Todes durch den Messias Gottes. Heil und Rettung für jeden Menschen! All das mit unübersehbaren Folgen für die Menschheit, die Weltgeschichte, die Schöpfung mit all ihren Facetten. Das völlig Unvorstellbare wird wahr, der Weg zwischen Gott und seinen Menschen ist wieder frei! Beziehung zu Gott wieder möglich! Vergebung der Schuld nicht länger an Riten und Stellvertretungen gebunden, sondern im 1:1-Gegenüber mit Jesus Christus erlebbar. In all dieser Euphorie – und es gibt wirklich allen Grund dazu, immer wieder neu und ja, auch jedes Jahr zu Ostern auf Neue! – überliest man leicht einen kleinen Satz: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten, er ist nicht hier, er ist auferstanden. Ja, unser Herr ist auferstanden, er ist wirklich auferstanden. Amen! Deswegen bringt es nichts, den Auferstandenen, den Lebenden bei den Toten zu suchen. Soweit So klar, aber nun: er ist nicht hier!

Wie gesagt leicht zu überlesen. Zu schnell gedeutet und übergangen: er ist nicht hier. Im schnellen Lesefluss der Ostergeschichte meint man, dass der Bote nichts Anderes meinen könnte, als dass Jesus, der Auferstandene eben nicht mehr in der Grabeskammer sei. Schnell versteht man den Satz so, dass Jesus eben nicht in der Gruft darauf wartete, als Lebender entdeckt zu werden. Aber meint dies der Bote Gottes wirklich?

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.

3. Mose 19,32

Mitten heraus aus einem ganzen Gesetzestext genommen, steht dieser Vers als Monatsspruch im Losungsbuch. Der Gesetzestext beschäftigt sich mit den Grundfragen alltäglichen Lebens und hatte die Aufgabe, das Zusammenleben des jüdischen Volkes zu regeln. Präambel dieses Gesetzes und zugleich Überschrift ist die Einleitung des Kapitels: „Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“

Eine Lebensführung und Alltagsgestaltung, die der Erwählung durch den ewigen Gott entspricht, ist dabei das Ziel. Die Integration des Glaubens in das private, berufliche, familiäre und gesellschaftliche Leben als ebenso wichtig erachten wie in das persönlich religiöse. Keine weitgeöffnete Schere haben zwischen Sabbat und Wochentag.

Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. (Lukas 5,5)

Es ist eine fantastische Geschichte. Eine Geschichte wider die Mutlosigkeit, wider die Resignation, wider das Aufgeben. Und eine Geschichte, die - wie ich finde - gut in den Beginn eines neuen Jahres passt. Es ist eine Geschichte, wie sie - zumindest in ihrem ersten Teil – jedem von uns hätte ebenso passiert sein können. Menschen gingen ihrem Beruf nach und erlebten eine Flaute. Für Fischer bedeutete diese leere Netze. Nichts gefangen. Bestenfalls ein Tag Verdienstausfall, schlimmstenfalls existentielle Bedrohung. Überfischen von Seen kannte man damals noch nicht, auch aufwendige und lebensmittelerhaltende Konservierung eines Fischfanges war unbekannt. Was man fing, wurde zu großen Teilen verkauft und nur weniges konnte so eingelagert werden, dass es für später ausreichte. Einen Tag nichts zu fangen wird nun nicht gleich einen Notstand zur Folge gehabt haben, nach dem aus der Hand in den Mund Prinzip aber allemal negative Folgen.

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! (Lukas 10,5)

Vielleicht lesen wir im Lukasevangelium die spannendste, differenzierteste und doch am meisten unterschätzte Unterweisung Jesu zum Bau des Reiches Gottes und zu Mission. Unterschätzt deshalb, weil die seit Jahrhunderten gut gepflegte Tradition, Bibelverse aus ihrem Zusammenhang zu reißen und diese Bruchstücke dann zeitgeistig zu interpretieren – sprich auszulegen – dazu führte, dass die großen Zusammenhänge biblischer Texte mehr und mehr übersehen wurden und es auch vielen Bibellesern an Mut fehlt, mal einen größeren, längeren Text als Losung und Tageslese zu studieren. Nach dieser – zugegeben zu Beginn eines Textes und gar des Gemeindebriefes - sehr ungünstig platzierten kleinen Rund-um-Schlag-Kritik möchte ich meiner kleinen Eingangsthese ein bisschen Untermauerung geben.

Wie kein anderer Evangelist liefert uns Lukas differenziert und ausgewogen Worte und Handlungen Jesu, gerade in Bezug auf seine Jünger. An manchen Stellen ist das Lukasevangelium beinahe mehr ein Jünger- als ein Jesus-Buch. Es würde sich lohnen, einmal alle „Jünger-Stellen“ aufzulisten und zu untersuchen, ein sehr interessantes Bild von Gemeinde und Gemeindebau und Gemeindegestaltung könnte da entstehen.

Meine kleine Recherche für diesen Artikel jedenfalls hat meine Neugier geweckt. Jesus beginnt sein Wirken nicht als Solist, nicht als aufkommender Superstar, nicht als sich zu etablierender Großmeister – nein, Jesus sucht sich ein Team und legt sein ganzes Konzept auf diese Teamarbeit aus.