Gedanken am Anfang

Die monatliche Andacht von unserem Pastor Volker Schmidt, die traditionell am Anfang unseres Gemeindebriefes steht und den jeweiligen img grey Monatsspruch auslegt.

Halte den Ruhetag am siebten Tag der Woche, so wie es der Herr, dein Gott, befohlen hat. Er ist für dich ein heiliger Tag, der dem Herrn gehört. Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten; aber der siebte Tag ist der Ruhetag des Herrn, deines Gottes. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten. An diesem Tag sollen alle genauso ausruhen können wie du.

5. Mose 5,12-14

Die Macher des Losungsbuches lassen das neue Jahr mit einem Paukenschlag beginnen. Mitten in den Streit hinein, wie kurz denn eine Arbeitswoche eigentlich noch werden dürfe, setzen sie die deuteronomistische Fassung des Sabbatgebotes. Ist dieses nicht längst überholt? Brauchen wir nicht längst eine aktuellere, den Gegebenheiten aktueller Zeittrends angepasste Zeitregelungen?

Dabei denke ich gar nicht an Landwirte, in sozialen Bereichen tätige Menschen, Notdienste, Polizisten, Feuerwehren, oder auch Gastronomen, Servicedienste, Arbeitende in öffentlichen Verkehren, deren Dienste auch am Ruhetag ganz selbstverständlich und ebenso dringend wie wochentags benötigt und in Anspruch genommen werden. Klar, dass wir diese alle benötigen und im Grunde käme nicht wirklich jemand auf die Idee, für diese und andere Berufsfelder Sonntagsarbeit zu verbieten.

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, wird uns das aufgehende Licht aus der Höhe besuchen, damit es erscheine denen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,78.79

Sie gehört zu den wunderbaren Randgeschichten der Weihnachtszeit: Die Wandlung des Zacharias. Und neben all den vielen wunderbaren, ja manchmal Wunder vollen, bewegenden und erstaunenden Geschichten gehört diese doch zu meinen Lieblingsgeschichten. Ich mag diese Geschichte so sehr, weil ich in ihr vorkomme. Doch der Reihe nach.

Mit wenigen, nüchternen Worten berichtet Lukas von einem altgewordenen Ehepaar. Zacharias arbeite als Priester auf Lebenszeit. Rente mit 67? Fehlanzeige. Wie hat er das geschafft, frage ich mich? Für alle, die sich solches auch fragen hält Lukas in sehr verknappter Form eine Antwort bereit: Zacharias gehörte zur Ordnung Abija, und er an das Sprichwort denkt: Ordnung muss sein, liegt dabei ganz richtig. Es gab 24 Ordnungen, und diesen war der Dienst im Tempel genau zugeteilt. Zweimal im Jahr war Zacharias dran, einmal davon fiel das Los auf ihn und er durfte das Räucheropfer darbringen. Einen kleinen Einblick in den Alltag eines Priesters gewährt uns der Evangelist.

Von seiner Frau Elisabeth erfahren wir noch weniger. Ein paar spröde Verwandtschaftsangaben setzen sie in Beziehung zu Maria, der Mutter Jesu. Näheres dazu erfahren wir nicht. Nur dass Elisabeth keine Kinder bekommen konnte, das erfahren wir. Was heute eher in die Intimsphäre eines Paares gehört, war damals öffentlich diskutierte Sichtbarkeit. Den Gedanken, dass ein Paar sich auch dazu entscheiden könnte, keine Kinder zu wollen, fand man so absurd und undenkbar, dass er praktisch ausgeschlossen war. Ein Paar musste Kinder bekommen. Bekam es keine, war meist auch allen klar, dass wohl die Frau keine Kinder bekommen könne. Manchmal war die alte Welt auch eine es sich einfach machende.

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

Hesekiel 37,27

Für mich gehört sie mit zu den größten Visionen des ersten Bundes. Ein Mensch sieht etwas so Unvorstellbares, dass er es nicht Worte bringen kann und als er es doch versucht, diese spröde und trocken klingen. Die Kraft aber ist unglaublich. Sie ist so groß, dass die letzte große Zukunftsschau der Bibel – das Zelten Gottes mitten unter uns Menschen – unmittelbar mit dieser des Hesekiel verknüpft ist. Weit über die Zeit des ersten Bundes Gottes mit den Menschen hinausgehend sieht Hesekiel etwas, das immer wieder und damit zeitlos unmöglich scheint: Totes wiederersteht.

Diese Vision des Hesekiel ist nicht nur deshalb so einmalig und gewaltig, weil sie wegbereitend ist für die letzte große Schau des Sehers Johannes, der eine neue Erde und einen neuen Himmel kommen sieht und damit eine neue Schöpfung in Aussicht stellt, sondern sie ist vielmehr gerade deswegen so spektakulär, weil sie an die ersten Seiten der Bibel anknüpft und nichts anders als das Wiederholen des gewaltigsten Schöpfungsaktes beschreibt: Gott schafft Leben.