Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

Offenbarung 21,1-16

book-1209805_400Als „Trostbuch“ für die jungen, verfolgten Christengemeinden bezeichnete mein verehrter Lehrer Adolph Pohl in seiner Vorlesung zum Buch die Offenbarung. Und auch wer nur diese Verse aus dem Abschluss dieser gewaltigen und zutiefst beeindruckenden Zukunftsschau liest, erhält eine Ahnung davon, wie die oft zu Unrecht als düsterstes Buch der Bibel geschmähte Offenbarung trösten und Hoffnung geben kann. Ich kann diese Worte nicht lesen, ohne zutiefst berührt zu werden. Gänsehaut pur. Mit keinem anderen Bild in der Bibel wird die Hoffnung meines Glaubens so auf den Punkt gebracht, wie mit diesem. Und das liegt nicht daran, dass ich Campingfan bin und Luthers „Hütte“ sprachlich in Wahrheit ja das „Zelt“ Gottes mitten unter uns Menschen ist.

Nein, es liegt vielmehr in diesem zentralen „Gott mit ihnen, er wird ihr Gott sein“. Darin erfüllt sich mein Glaube. Darin kommt meine Hoffnung zum Ziel. Da finde ich Kraft, um den heutigen Tag vertrauend zu gestalten. Denn etwas, das heute und im Hier mir nur fragmentarisch und immer auch sich entziehend zur Verfügung steht, wird im Glauben doch vollumfänglich gegenwärtig: Der Gott mit uns. Der Emanuel bleibt nicht länger verborgen, bleibt nicht länger transzendent, er tritt aus Zweifeln und allem Suchen heraus und lässt sich finden. Der Profet Jesaja weckt diese Hoffnung erstmals, wenn er den kommenden Messias „Gott mit uns“, „Emanuel“ nennt. Matthäus wird dies später aufgreifen und den neugeborenen ganz Gott und zugleich ganz Mensch Jesus Emanuel nennen: Gott mit uns!

Noch leben wir, und mit uns, vor uns, wie auch nach uns, viele viele Menschen vom Vertrauen darauf, dass Gott mit uns ist. Sehen, gar beweisen, logisch abstrahieren oder gar erklären lässt sich davon nichts. Es bleibt, dass der Glaube nur eine Zuversicht, wenn auch eine feste, ist auf das, was man hofft. Es bleibt, dass der Glaube aus dem Nichtzweifeln an dem lebt, dass man nicht sehen kann. (Hb 11,1) Es bleibt, dass dieser Gott mit uns immer auch gesucht und gefunden werden will, dass er sich uns immer dann entzieht, wenn wir ihn am meisten fassen wollen, dass unser Glaube immer auch fragil ist und immer wieder auch neu errungen werden will. Das gehört zur Lebendigkeit des Glaubens dazu, dass er nicht statisch und ein für allemal verfügbar wäre.

Dann aber, wenn der Gott mit uns ganz und ohne Einschränkungen mit uns sein wird, dann erfüllt sich aller Glaube. Dann zeltet ER mitten unter uns! Dann verliert der Glaube seine ihm immanenten Zweifel, verliert er seine Fragilität, verliert er den Anspruch, immer auch erkämpft werden zu wollen, denn dann ist Gott ganz da! Nein, denn dann sind wir bei Gott ganz da, am Ziel angekommen! Endlich.

Dann – und alle Jerusalem-Fans mögen mir verzeihen, dass es nicht die neue Mega-City ist – erfüllt sich die größte Sehnsucht meines Lebens: Er, mein Gott mit mir, den ich so oft suchte und, den ich so oft rief, den ich so oft spüren wollte gerade dann, wenn ich gar nichts spüren konnte - Er, mein Gott mit mir, schlägt sein Zelt neben meinem Wohnwagen auf und er tröstet mich, hört mir zu, ja er wischt sogar meine Tränen alle ab! All die angstmachenden, verletzenden, ja todbringenden Strukturen aber wird es nie mehr geben. Das gibt mir Kraft für diesen heutigen Tag!

Euer Pastor Volker Schmidt