Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe;
und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“

Helga Scharkowski wurde am 5. Mai 1937 in Berlin geboren, als erstes Kind von Lydia und Fritz Cassens.

In ihrem ersten Lebensjahr wurde eine Hüftluxation entdeckt, Helga lag als Baby neun Monate in Gips, erst danach durfte sie laufen lernen.

1943 wurde die Familie nach Bebra evakuiert, hier absolvierte Helga Schule, Gymnasium und erwarb 1957 das Abitur. Es folgte eine Lehre in einer Apotheke.

1958 kam sie zur „Rufer-Bewegung“, bekehrte sich und ließ sich 1958 in der Gemeinde Bebra von Pastor Schneiter taufen. 1959 begann Helga ein Studium beim Auslands- und Dolmetscherinstitut, 1961 bestand sie das Examen als Auslandskorrespondentin, und 1964 wechselte sie nach Stuttgart zum Deutschen-Apotheker-Verlag.

Hier fand sie schnell Anschluss in der Bethelkirche. Helga wurde bald als begabte Mitarbeiterin entdeckt, u. a. im „Sonntagskreis“ Junger Erwachsener. Im Sonntagskreis lernte sie Herbert kennen. Im März 1966 verlobten sie sich, am 1. Oktober feierten sie Hochzeit. Herbert Rumpf traute das Paar.

Trauerfeier Helga ScharkowskiHelga war nebenberuflich als Gemeindesekretärin tätig und erledigte über acht Jahre alle Korrespondenz und Büroarbeit der Bethelkirche. 1976 wurde Helga in den Vorstand der Gemeinde gewählt. Helga und Herberts Leben war vielseitig gefüllt: Stuttgarter Ballett, Konzerte, Kultur und Literatur, Berge, Wandern und, vorzugweise in der Ramsau, Skilanglauf.

1980 zogen sie nach Korntal und wechselten zur Gemeinde Zuffenhausen. Helga und Herbert fanden auch in der neuen Gemeinde schnell ihre Plätze und engagierten sich vielseitig, Herbert in der Sonntagsschule, Helga übernahm den Gemeindebrief, das Schreiben der Protokolle in den Gemeindeversammlungen und viele weitere Tätigkeiten.

1982 musste Helga erstmals am Hüftgelenk operiert werden. 1989 wurde Helga in die Gemeindeleitung der Gemeinde Zuffenhausen gewählt. 1996 bekam Helga ein neues Hüftgelenk implantiert. 1998 dann ging sie in den Ruhestand. Im selben Jahr wurde bei Herbert Prostatakrebs diagnostiziert, 2005 wurde ein Leidensjahr, im Februar 2006 starb Herbert.

Für Helga ging es nun alleine weiter. Dabei standen Helga und Herbert in dem Ruf, alles, wirklich alles, gemeinsam getan und erlebt zu haben. Mancher hatte Sorge, ob Helga überhaupt allein zurechtkäme. Aber Helga kam. Und wie. Unglaublich tapfer und authentisch trauerte sie, ohne sich in Einsamkeit oder Isolation zurückzuziehen. Trauer und Loslassenmüssen wurden ihr zu Herausforderungen und auch zur Aufgabe, die sie immer wieder aufs Neue meisterte. Helga fand neu ihren Platz in ihrem Leben und füllte diesen aus. Freunde begleiteten sie dabei. Nur selten gelingt, was Helga gelang: Der Freundeskreis des Paares blieb und wurde zu Helgas Freundeskreis. Helgas Kontaktfreudigkeit, ihre Offenheit, ihr Interesse am Ergehen anderer Menschen und die ihr ganz eigene Liebenswürdigkeit als eine ihre großen Stärken erhielten Freundschaften und ließen sie neue knüpfen.

Helga bezeichnete sich selbst als pragmatischen Menschen und ein „Gewohnheitstier“. So gehörten bis zuletzt Fitness-Studio, Sportverein, Ballett und Konzerte zu ihrem Leben, dazu, soweit möglich, Wandern und winterliche Ausflüge nach Ramsau.

2007, nach 18 Jahren Leitungstätigkeit, ging Helga aus der Gemeindeleitung. Helgas Tätigkeiten in der Gemeinde blieben viele: Bekanntmachungen, Gemeindebrief, Gemeinderegister, diverse Aufgaben wie Statistiken, Meldungen an den Bund, Überweisungen, Datenpflege, Adressverwaltung, dazu rege Teilnahme am Gemeindeleben, ganz selbstverständlich bei den Senioren und in der Bibelstunde. Sie organisierte den Treffpunkt, und es gab praktisch keine Veranstaltung, bei der Helga nicht dabei gewesen wäre.

Ab November letzten Jahres setzten immer stärker werdende Schmerzen im Rückenbereich ein. Erst Anfang Januar, auf Drängen Helgas, kam sie ins Krankenhaus. Sofort wurde der Bruch der künstlichen Hüfte festgestellt und es wurden zwei Operationen zum Austausch erst der Hüftschale, dann des Gelenkes verordnet. Schon nach der ersten Operation ging es Helga nicht sonderlich gut. Die zweite Operation musste verschoben werden. Nach dieser zweiten musste Helga länger als geplant auf der Intensivstation bleiben, schließlich versagten immer mehr Organe ihren Dienst. Für uns alle überraschend verstarb Helga am 10. Februar. Keiner, und Helga wohl am allerwenigsten, hatte damit gerechnet, dass sie nicht mehr aus Krankenhaus nach Hause kommen würde.

Wir vermissen Helga sehr und trauern um sie.

Volker Schmidt